Kunst ohne Grenzen.

Poesie

Die Reise von Krystyna Meduna 11/2013, Übersetzung Maximilian Meduna

„O sole mio” – singt der Italiener im eisigen Skandinavien,
Um mit der Sonne den Schnee des kalten Nordens zu erwärmen.
Ich schneider dir ein einen Pelz aus Rentierleder,
Mein obdachloser griechischer Bruder – sagt der Lappe,
Sende mir bloß ein paar reife Orangen.

In Irland essen sie Bigos und bechern den Ouzo,
Und in Kroatien trinken sie den 5 o’clock Tee zur Sachertorte.
Auch die Hühner reisen tausende Kilometer,
Denn es müssen unbedingt ausländische sein –
Scheinbar schmecken solche besser.

Warum sollte ich nach Sopot fahren, sagt der Schlesier,
Schneller flieg ich doch nach Mallorca,
Wo ich Wodka trinke und eine deutsche Haxen esse.
Ich aus Pommern habe es auch näher nach Tirol,
Als in Polens überfüllte Pistenwelt – und spare dabei noch Geld.

Die Vögel kannten schon lange keine Grenzen,
Sie flogen nach der Sonne ohne Pass und Visa,
Nur im Frühjahr kamen sie zurück in ihre Nester,
Um ihre Melodie über Berge und Täler zu singen
Und neuem Leben einen Anfang zu geben.

Auch Menschen kehren aus fernen Ländern zurück,
Doch Nester bauen können sie oft nicht mehr.
Sie kommen alleine heim, ohne bunter Kinder,
Zerstreut in fernen, unbekannten Ländern.
Sie kommen nur mehr zu Familiengräbern heim.

Nur manchmal bläßt ein warmes Lüftchen aus dem Westen,
Es zieht ein Schwefelregen aus dem Norden vorbei,
Oder die Erde erfriert vom östlichen Frost.
Doch sei unbesorgt, denn aus dem Süden wird auch die Sonne scheinen,
Welche wie ein Reisender aus der Ferne zum Gruße kommt.

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